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Über die Selbstverständlichkeit von Austausch und Mobilität

Über die Selbstverständlichkeit von Austausch und Mobilität

16. Mai 2018 / Zürich

Wenn wir über den Nutzen von Austausch- und Mobilitätsprojekten sprechen, ist es unausweichlich auch eine Auseinandersetzung mit der persönlichen aber auch kollektiven Freiheit. Sei es ein Au-Pair Jahr in der Westschweiz, ein Studiensemester in Madrid oder ein Sommerprojekt in Helsinki. Sich die Freiheit nehmen und das gewohnte Umfeld für eine bestimmte Zeit zu verlassen, heisst auch, sich den Lebenslauf nach eigenen Wünschen zusammenschustern. Das kann durchaus eine leichte Aufgabe sein – die nötigen finanziellen Mittel sind vorhanden oder man lebt in einem politisch sicheren Staat, der die Ausreise jederzeit zulässt. Die uneingeschränkte Mobilität ist aber in vielen Fällen immer noch ein Wunschdenken. Bis ins 17. Jahrhundert hatten die Aborigines in Australien praktisch keine Grenzen in ihrem Land. Sie gingen wann und wohin sie wollten. Das nomadische Leben bedeutete für sie nicht Luxus, sondern Existenz. Es war eine Lebensgrundlage für sie. Solange, bis die Engländer kamen und Zäune für ihr Vieh bauten, was die Aborigines natürlich nicht verstanden. Sie begriffen den Sinn davon nicht. Daraufhin wurden sie in die Wildnis verbannt und als asoziale Wesen behandelt. Hier versagte also nicht nur der Austausch, sondern auch die Mobilität. Anhand dieses Beispiels wird klar, dass Mobilität nicht per se ein Status quo ist und in der Regel auch abhängig von der politischen Situation.

Im Herbst 2017 hat der Bund zusammen mit den Kantonen die Strategie Austausch und Mobilität präsentiert. Diese wurde durch die Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI), des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK verabschiedet. Mit der Strategie soll langfristig erreicht werden, dass Austausch und Mobilität «zum festen Bestandteil jeder Biografie werden». Doch weshalb? Warum sollen Menschen überhaupt an Austausch- und Mobilitätsprojekten teilnehmen? An einem Austausch- und Mobilitätsprojekt teilzunehmen heisst auch immer, sich auf Herausforderungen einzulassen. Es wird eine neue Sprache gelernt, die sozialen und fachlichen Kompetenzen stehen im Fokus, und damit auch die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und nicht zuletzt stösst man auf eine kulturelle Vielfalt. Diese Horizonterweiterung, abseits eines konsumistischen Tourismus, kann ein Erlebnis oder sogar eine Lebenserfahrung sein. Und vielleicht, ja vielleicht sogar ein Stückchen Freiheit bedeuten.


Marcel Hörler